Bücher

Bewertung der Bücher

Die Bewertung der Bücher erfolgt natürlich aus einem subjektiven und vor allem Situativen Standpunkt. Mit situativ meine ich dass ich jedes Buch mit dem Wissen und den Erfahrungen lese dich ich aus meinem Leben und somit auch aus bereits gelesenen Büchern gewonnen habe. Manche Bücher sind in unterschiedlichen Phasen meines Lebens vielleicht passender und zugänglicher während andere vielleicht weniger zu mir sprechen. Dennoch versuche ich eine allgemeine Bewertung zu geben. Dabei benutze ich das folgende System

Bewertungssystem

  • Prädikat A: Absolut empfehlenswert. Für mich ein unerlässlicher Wegbegleiter und durch nichts zu ersetzen.
  • Prädikat B: Sehr empfehlenswert. Ein wichtiges Buch für mich.
  • Prädikat C: Empfehlenswert. Ich bin froh, dass ich es gelesen habe, aber es geht auch ohne das Buch.
  • Prädikat D: Bedingt empfehlenswert. Durchaus hilfreich aber für mich nicht das richtige, bzw. es gibt einige Kritikpunkte.

Bücher die ich schlechter bewerten würde („Nicht empfehlenswert“) sind nicht aufgeführt.

Kategorien

Eine Einteilung in Kategorien ist schwer und oft einengend, diese Kategorien sind nur als ungefähr zu verstehen.

  • Meditation: Anleitungen und Informationen zu Meditation.
  • Dharma: Zeitgenössiche buddhistische Lehre und Lebensphilosophie, (relativ) frei von Dogma
  • Tradition: Traditionelle buddhistische Lehre, mit dogmatischem Gehalt.

The Mind Illuminated

von Culadasa (John Yates), Matthew Immergut, Jeremy Graves

Dieses Buch hat meine Meditationspraxis grundlegend beeinflusst. Sehr gründlich, anschaulich und unterhaltsam wird in die Praxis der Samatha Meditation eingeführt. Dabei werden viele Mechanismen wie Bewusstsein, Aufmerksamkeit und Ablenkung anhand von Modellen beleuchtet.

Mit einem Training der Stufen der Konzentration führt einen Culadasa von einem Anfänger der noch nie meditiert hat zum Aufbau einer regelmässigen Praxis bis hin zu tiefen Versenkungsstufen (p. Jhana).

Dieses Buch beinhaltet viel Material und dennoch gibt es Abschnitte die so knapp sind, dass jede Zeile absolut wichtig für das Verständnis ist. Dabei ist es sehr hilfreich sich mit einem Lehrer oder gleichgesinnten auszutauschen, siehe in den Resourcen auf der Seite The Mind Illuminated. Das ist kein Buch zum durchlesen sondern zum immer wieder studieren. Ich bin sicher es wird mich noch viele Jahre begleiten, in der Hoffnung auch einmal die letzte Stufe der vollendeten Sammlung zu erreichen.

Der Fokus dieses Buches liegt klar auf dem Training von Samatha Meditation, dennoch gibt es fliessende Übergänge zur Einsichtsmeditation und auch wenn es kein Dharmabuch im traditionellen Sinne ist, schimmert der buddhistische Bezug immer wieder durch. So basiert z.B. das Modell des Bewusstseins das im Laufe des Buches immer wieder verfeinert wird, auf Modellen aus dem Abhidhamma und Yogacara.

Ich verstehe die Kritik die ein Training mit Stufen mit sich bringt, und tappe selbst in die offensichtlichen Fallen. Dennoch ist dieses Buch für mich das wichtigste Meditationsbuch. Es ist sicher nicht allein ausreichend um den meditativen Pfad zu gehen, aber es ist einer der besten Wegbegleiter den ich kenne, solange man sich nicht ständig fragt wann man nun endlich die nächste Stufe erreicht.

Einige Ressourcen finden sich auf der Seite The Mind Illuminated.

Fazit: Für mich das wichtigste Buch um eine ernsthafte Meditationspraxis zu beginnen und zu vertiefen (Prädikat A)

en: The Mind Illuminated
de: Handbuch Meditation

Meditation

von Matthieu Ricard

In klaren Worten beschreibt Matthieu Ricard die Motivation für und den Einstieg in die Praxis der Meditation. Mit unerkennbar buddhistischem Hintergrund bleibt das Buch jedoch sehr zugänglich für Einsteiger. Verschiedenste Meditationstechniken werden erläutert und Schritt für Schritt erklärt. Zum Beispiel klassische Konzentrations- oder Einsichtsmeditation, Visualisierungen oder Meditation zum Umgang mit Schmerzen oder starken Gefühlen. Somit ist sicher auch etwas für erfahrene Meditierende dabei. Für Anfänger mag die Fülle an Übungen vielleicht etwas zu viel sein: Einfach auf die Konzentrationsübungen konzentrieren und der Rest folgt dann irgendwann.

Fazit: Ein sehr zugängliches Buch und eine gelungene Einführung in die Meditation (Prädikat B)

de: Meditation
en: The Art of Meditation

A New Buddhist Path

von David R. Loy

Im Spannungsfeld der Begegnung zwischen moderner westlicher Gesellschaft und dem Buddhismus untersucht David Loy die Zukunft des Buddhismus und unserer Gesellschaft. Er beginnt mit der persönlichen Ausseinandersetzung über die Ursache des Leidens: liegt sie in der Welt wie sie ist oder unserer Unfähigkeit damit klar zu kommen und sie zu sehen wie sie wirklich ist? Er sucht einen dritten Weg neben den offensichtlichen Alternativen bei denen der Buddhismus entweder zu psychologischer Selbsthilfe („ich muss mich anpassen“) verkommt oder zur weltüberwindenden Heilslehre wird („egal was hier los ist, ich gehe in eine besserer Welt“).

Der buddhistische Pfad soll zur Erkenntnis führen, dass die Welt wie wir sie normalerweise wahrnehmen, inklusive der Art wie ich mich selbst wahrnehme, weder real noch nicht real ist, sondern eine gesellschaftliche und psychologische Konstruktion ist, die dekonstruiert und rekonstruiert werden kann.

Der Diskurs wird weitergeführt mit einer kulturhistorischen Analyse die zeigt wie die Säkularisierung und der Verlust eines sinngebenden Schöpfungsmythos zur einer Gesellschaft führt in der Gier, Hass und Verblendung zur Konsumismus und Sozialdarwinismus und Missachtung der Natur führen. David Loy kommt zu dem Schluss, dass das westliche Ideal der Verbesserung der Gesellschaft und das buddhistischen Ideal der persönlichen Transformation zu kurz greifen wenn sie isoliert gelebt werden, nur eine Synthese der beiden führt zu echter Freiheit. So skizziert er ein Verständnis eines neuen Boddhisattva, der aktiv und engagiert mit der Gesellschaft umgehen soll.

Fazit: Eine gelehrte, tiefgreifende und gesellschaftskritische Ausseinandersetzung der Begegnung von Buddhismus und westlicher Moderne. Zeigt wie wichtig es für die Menschheit ist, dass beide Seiten voneinander lernen. (
Prädikat B)

en: A New Buddhist Path
de: –

Joy On Demand

von Chade-Meng Tan

Meng, der bei Google den Job Titel Jolly Good Fellow hatte nachdem er dort einen MBSR Kurs gestartet hatte, setzt sich in seinem zweiten Buch vorrangig mit der Frage ausseinander wie wir Freude und Glücklichsein fördern und entwickeln können. Als wichtigstes Mittel dienen Sammlungs- und Brahmavihara-Meditation und die Kultivierung von Freude im Alltag.

Mit vielen Anekdoten und wie wissenschaftlichen Studien wird aufgezeigt wie Meditation dabei hilft Freude zu entwickeln, gelassen zu bleibe und mit Stress umzugehen. Es werden sowohl Meditationsanleitungen gegeben als auch viele Ratschläge und Miniübungen um Freude auch im Alltag entstehen zu lassen bzw. zu entdecken. Dabei kommt der buddhistische Bezug klar durch und Meng bezieht sich auf Sutten, Textstellen und Buddhistische Geschichten. Dennoch ist dies kein Dharmabuch, kein buddhistisches Lehrbuch.

Der Text liest sich sehr anschaulich, frisch und locker – und dazu tragen auch die humorvollen Cartoons bei. An manchen Stellen, und das ist sicher Geschmacksache, finden sich etwas arg positive Formulierungen und Superlative.

Fazit: Für Anfänger ein toller Einstieg und für Fortgeschrittene eine Bereicherung um Freude zu finden. (Prädikat B)

en: Joy On Demand

Buddhism without beliefs

von Stephen Batchelor

Sehr vorsichtig trennt Stephen Batchelor die Kerngedanken der Buddhalehre von ihren kulturell-religiösen Verstrickungen die sich wohl erst über die Jahrhunderte dazu gebildet haben. Dabei zeichnet er ein Bild eines agnostischen Buddhismus und bei seiner Auseinandersetzung mit Themen wie zum Beispiel Wiedergeburt kommt er immer wieder zum Schluss „Ich weiss es nicht“, und zeigt wie sinnvoll mit diesem Nichtwissen umgegangen werden kann.

Weitere buddhistische Kerngedanken wie Leerheit, Freiheit, Mitgefühlt und die Ursache und Befreiung vom Leiden werden sehr aufschlussreich behandelt und für einen modernen und skeptischen Leser nachvollziehbar erläutert. Als Errungenschaft der westlichen Moderne betont er den Stellenwert des Individuum und die persönliche Ausseinandersetzung mit einer spirituellen Lehre, einer Wahl zwischen Weg oder Dogma. Batchelor zeigt warum dies nur funktioniert wenn wir dies als Teil der Gemeinschaft und der Natur und zum Wohle aller tun. Die Freiheit vom Leiden soll die Basis für eine Freiheit zum Handeln bilden.

Bei all der intellektuellen Behandlung der buddhistischen Erfahrungslehre kommt jedoch der praktische Teil nicht zu kurz und immer wieder ist der Leser eingeladen, durch Reflektionen und Mini-Meditationen, das Gelesene in die eigene Dharmapraxis zu integrieren.

Fazit: Für skeptische Leser ohne religiöse Befindlichkeiten eine tolle Einführung in die Dharmapraxis und die Buddhalehre, bei der die Praxis nicht zu kurz kommt. (Prädikat C)

en: Buddhism without Beliefs
de: Buddhismus für Ungläubige

The Attention Revolution

von B. Allan Wallace

Eine systematische Einführung in die Praxis der Meditation und des Trainings der Aufmerksamkeit. Mit einem Konzept von neun Stufen der Konzentration und genauen Anleitungen führt Allan Wallace einen vom Anfänger bis zum Meditationsmeister. Nebst den Anleitungen zur Samatha Mediation finden sich auch Übungen für die Brahmavihara, Tonglen und Traum Yoga. Ein modernes Buch, dass ohne viel traditionelle Lehre, dennoch Aspekte wie Lebensführung und buddhistische Philosophie behandelt.

Sucht man ein Training mit Stufen der Konzentration, gebe ich persönlich Culadasas The Mind Illuminated den Vorzug, möchte aber die Informationen aus diesem Buch nicht missen. Allein manche hohen Ansprüche wirken hier, im Vergleich zu Culadasas „The Mind Illuminated“, etwas demotivierend. Vielleicht wird dort aber auch manches als zu einfach erreichbar dargestellt und die Wahrheit liegt etwas in der Mitte. Beide ergänzen sich sehr gut!

Fazit: Ein sehr hilfreicher Leitfaden für Meditierende die mit einem Modell der Stufen der Konzentration meditieren wollen (Prädikat C)

en: The Attention Revolution
de: [Meditation](Die befreiende Kraft der Aufmerksamkeit)

Spirituellen Materialismus durchschneiden

von Chögyam Trungpa Rinponche

Chögyam Trungpa beschreibt den buddhistischen Pfad, beginnend noch vor dem ersten Schritt: Er setzt sich mit der Ausgangslage ausseinander, der Inspiriation und den darin liegenden Fallstricken. Im Laufe der Diskussion erläutert er den Weg durch die Fahrzeuge (Hinayana, Mahayana, Vajrayana) und mahnt fortwährend vor den Gefahren vom Weg abzukommen. Besonders, vor dem „Spirituellen Materialismus“, bei dem der Pfad der Befreiung zu einer Selbsthilfe-Masche verkommt, wenn das Ego ihn dazu benutzt seine Position zu stärken und dem Hier und Jetzt zu entfliehen – anstatt sich dem zu öffnen was tatsächlich im Moment passiert.

Fazit: Kraftvoll und inspirierend. Kein einfaches Buch, aber eines mit notwendigen Gedanken. (Prädikat C)

en: Cutting Through Spiritual Materialism
de: Spirituellen-Materialismus-durchschneiden

Life Is Meditation – Meditation Is Life

von Bhante Vimalaramsi

Ein praktischer Ratgeber mit konkreten Meditationsanweisungen, besonders hilfreich wenn man zu verbissen an die Praxis herangeht. Dabei wird anhand von Suttastellen eine klassische Samatha-Vipassana Meditationstechnik gelehrt die jedoch sehr stark auf Loslassen und Gelassenheit beruht. Dabei wird stark auf den Aspekt des Verlanges (p. tanha) eingegangen und die Rolle die das Loslassen der Gier spielt.

Leider macht der Autor zu oft  klar, dass er nichts von starker Konzentration hält, und  dass das was in der Visuddhimagga und im Theravada über Meditation gelehrt wird eine Missinterpretation durch  hinduistisch geprägte Gelehrte ist. Zwar kann ich Argumentationen durchaus etwas abgewinnen, auch steht er damit nicht alleine, und sie Erhellen die Diskussionen um Sutta-Jhana vs. Visuddhimagga Jahna. Aber, der Autor besteht zu oft darauf, dass er aus den Suttas erkannt habe was genau das richtige Mass zwischen Anstrengung und Lockerheit ist – und alle anderen falsch liegen. Das ist auf Dauer etwas ermüdend. Kann man darüber hinweg sehen erhält man gute Ratschläge für entspanntes und heiteres Meditieren.

Fazit: Interessiert man sich dafür, Banthe Vimalaramsis Ansatz von Loslassen und Heiterkeit in die Praxis einzubringen, so rate ich eher zum Buch „Buddha’s Map“, von Doug Kraft (siehe dort). (Prädikat D)

en: Life Is Meditation – Meditation Is Life
de: Klare Quelle – Tiefer Fluss

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